Ein persönlicher Blick auf Patrick Clemens
Aktualisiert: 29. Sept.
Es gibt Probleme, die gelöst werden müssen.
Und es gibt Probleme, die interessant werden, gerade weil noch niemand nach einer Lösung gefragt hat.
Für Patrick Clemens liegt genau darin ein besonderer Reiz.
Welches Problem würdest du gerne lösen, obwohl niemand dich darum gebeten hat?
Je komplizierter das Problem, umso interessanter und anregender ist es für mich. Es ist irgendwie wie ein Land, in dem noch niemand gewesen ist.
Schon als Kind fand ich es unglaublich wunderbar, durch den Schnee zu laufen, wenn noch kein Mensch seine Spuren hinterlassen hat.
Genauso fühle ich mich, wenn ich ein Problem lösen darf, über das sich noch kein Mensch Gedanken gemacht hat.
Welche Entdeckung hat dich besonders fasziniert?
Auch hier ist es nicht die einzelne Entdeckung. Mich faszinieren die Zusammenhänge in Natur und Technik.
Es ist für mich wunderbar zu erkennen, dass hinter den Dingen immer eine faszinierend schöne Einfachheit zu finden ist.
Das Prinzip der Natur und der Mathematik steht hinter all den Dingen wie ein wunderschönes Wesen.
Was war dein ungewöhnlichstes Forschungsprojekt?
Ich bin im Moment in einem Forschungsprojekt maßgeblicher Ideengeber. Im QUINCY-Projekt kann ich viele Domänen meiner Karriere endlich zu einem Gesamtkonzept verbinden.
Hier kann ich meine Erfahrungen aus Technik, Naturwissenschaft und Sozialwissenschaften in einem Forschungsprojekt mit unglaublich interessanten Partnern umsetzen.
Bei welchem Problem hast du dich festgebissen?
Festbeißen heißt irgendwie auch, unbeweglich zu sein. Für mich ist es nicht immer richtig, sich an einer Stelle im Detail zu verlieren.
Manchmal ist es wichtig, Abstand zu einem Problem zu nehmen und sich einige Zeit später mit einer neuen Perspektive wieder damit zu beschäftigen. Manchmal ist eben noch nicht die richtige Zeit, um das spezielle Problem zu lösen.
Die Bedingungen können zwar bis zu einem gewissen Grad beeinflusst werden. Es ist aber unmöglich, eine Idee für die Lösung zu erzwingen.
Manchmal sind Geduld und Durchhaltevermögen Teil der Lösung.
Was hast du aus einem gescheiterten Experiment gelernt?
Wichtig ist es, die Informationen systematisch zu sortieren und zu bewerten. Es gibt kein gescheitertes Experiment. Im Experiment werden Hypothesen überprüft. Es ist ein unglaublicher Erfolg, wenn Hypothesen widerlegt werden. Es bedarf dann lediglich einer neuen Hypothese, die auf Basis der neuen Erkenntnis aufgebaut wird.
Das ist vergleichbar mit der Suche nach dem Haustürschlüssel, den man nicht an den richtigen Ort gelegt hat. Man kann mehrfach wild durch die Wohnung laufen und immer wieder an den gleichen Orten nach dem Schlüssel suchen.
Besser ist es, systematisch die einzelnen Orte abzuhaken und dann nur einmal an jedem Ort zu suchen. Jeder Ort, an dem der Schlüssel nicht zu finden ist, ist ein Schritt in die Richtung, den Schlüssel zu finden.
Was bedeutet Forschung für dich?
Forschung ist Neugier auf etwas, das neu für mich ist. Etwas, das noch nicht durchdacht und nicht verstanden wurde, so aufzubereiten, dass das neue Wissen für mich und für andere Menschen verwendbar ist.
Was bedeutet Innovation für dich?
Innovation ist die Umsetzung und Implementierung einer Idee.
Warum machst du das überhaupt ?
Ich möchte mein eigenes Wissen immer weiter verbessern und jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen.
Vielleicht beginnt das nächste Problem mit einer Frage.
Nicht jedes Problem ist bereits vollständig beschrieben. Und nicht für jedes existiert schon eine offensichtliche Lösung.
Wenn Sie vor einer technischen oder systemischen Fragestellung stehen, bei der genau das der Fall ist, kann sie ein interessanter Ausgangspunkt sein.



